PowLa – Frauenpower Sachsen-Anhalt

In den neuen Bundesländern hat sich in den Jahren nach der Wiedervereinigung ein vielerorts dramatischer Wandel vollzogen. Vor allem in ländlichen Regionen brach buchstäblich eine Welt zusammen: Die Abwanderung junger Menschen und der Wegfall der bekannten Strukturen brachte Regionen hervor, die in bedrohlicher Weise von Arbeits- und Perspektivlosigkeit geprägt waren.

Vor allem junge Menschen, die in solchen Regionen aufwuchsen und darauf warteten, alt genug zu sein, um ebenfalls wegziehen zu können und andere junge Menschen, welche aus verschiedenen Gründen nicht abwandern konnten, wurden empfänglich für rechtsextremes Gedankengut: Das Gefühl, von der Gesellschaft im Stich gelassen oder nicht mitgenommen worden zu sein, begünstigt das Aufkommen von fremdenfeindlichen Gesinnungen und aggressivem Verhalten.

Gleichzeitig bildeten sich auf dem Land etwa in Sachsen-Anhalt aber auch neue Strukturen. Vereine und Verbände gründeten sich oder organisierten sich neu und stießen in entstandene Lücken. Die Initiative „Zusammenhalt durch Teilhabe“ etwa vereint viele Vereine unter ihrem Dach, welche Beteiligung und Zusammenhalt bieten, dabei aber auf demokratische Strukturen und Werte achten.

„PowLa – Frauenpower bringt Demokratie aufs Land“ war und ist eine dieser neuen Vereinigungen, welche in Sachsen-Anhalt aktiv ist.

In den ländlichen Gebieten Sachsen-Anhalts gibt es traditionell starke Verbände der LandFrauen. Diese Verbände legen Wert auf die Wahrung und Weitergabe ländlicher Werte, Bräuche und Traditionen. Solche Verbände werden gerne von rechtsextremen Gruppierungen unterwandert, da das Festhalten an Heimatwerten zunächst harmlos in die bestehenden Vereine eingebracht werden kann und erst später der eigentliche Charakter der neuen „Impulse“ zum Vorschein kommt.

PowLa versucht hier, Mitglieder der LandFrauen für diese Thematik zu sensibilisieren. Diese Mitglieder erhalten eine Ausbildung zur Demokratieberaterin.

Sie sollen innerhalb des Vereinslebens rechtsextreme Tendenzen erkennen und ihnen entgegenwirken, indem mit den anderen Mitgliedern das offene Gespräch gesucht wird. Auch als „Beichtmutter“ soll sich die zur Diskretion verpflichtete Demokratieberaterin bewähren.

Die Demokratieberaterinnen sollen zudem Kontakte zu anderen Vereinen und Verbänden in der Umgebung knüpfen, so dass nach und nach ein Netzwerk gegen Rechts in den ländlichen Regionen entstehen soll.

Weiterhin ist es einfach und billig, stets auf das Lohngefälle zwischen Ost und West hinzuweisen – aber wie sieht es mit dem Lohngefälle zwischen Mann und Frau aus?

Wünschenswert ist es natürlich, für PowLa Teilnehmerinnen zu finden, die man im Werbejargon als „Trendsetter“ oder „Opinion Leaders“ bezeichnen würde: Menschen mit Ausstrahlung und Überzeugungskraft, denen andere Menschen gerne folgen, so dass aus einer einzelnen Demokratieberaterin eine starke demokratische Kraft in ihrer sozialen Umgebung werden kann.

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