Frauen als Randerscheinung. Der Frauenanteil am Rundfunkrat des MDR.

Mit derzeit nur vier Frauen unter insgesamt 43 Mitgliedern bildet der Rundfunkrat des MDR das Schlusslicht unter allen Rundfunkräten, was den Frauenanteil betrifft. Das ergab eine Untersuchung des Journalistinnenbundes, die schon im Dezember 2012 stattfand, damals noch bei einem Frauenanteil von fünf Frauen.

Eine Veränderung dieser Situation erhoffen sich Kritiker und Kritikerinnen wie der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt für den neuen Rundfunkrat, der im Dezember 2015 gebildet wird. Vieles hängt hierbei jedoch von den „gesellschaftlich bedeutsamen Organisationen und Gruppen“ ab, die ihre Vertreter in den MDR-Rundfunkrat entsenden. Sie werden in § 19 des Rundfunkstaatsvertrags des MDR aufgeführt. Bisher entsandten diese „bedeutsamen Organisationen“ aus der Politik, den Kirchen, der Wirtschaft und den Verbänden fast nur Männer in den Rundfunkrat.

Zwar treten Rundfunkräte in der Öffentlichkeit kaum auf, erfüllen aber wichtige Funktionen. Zu ihnen gehört es, über die Einhaltung der Programmgrundsätze zu wachen und den Intendanten bzw. die Intendantin zu wählen. Auch die Förderung der Gleichstellung von Frau und Mann gehört zu den Grundsätzen des MDR. So legt es der Rundfunkstaatsvertrag des MDR in § 8 bindend fest. Vor diesem Hintergrund stellt der Frauenanteil von unter 10 % beim Rundfunkrat des MDR eine besonders skandalöse Blamage dar.

Während es bei den meisten demokratischen Parteien und ab 2016 auch bei deutschen Großunternehmen festgeschriebene Frauenquoten gibt, die einen Mindestanteil von Frauen bei der Besetzung von Leitungs- und Aufsichtsgremien vorschreiben, fehlt dafür irgendeine Regelung beim Rundfunkrat des MDR. Zwar berichtet der Sender über demokratische Entscheidungen wie die Entscheidungen für Frauenquoten, aber intern, bei den Tätigkeiten seines wichtigsten Gremiums, geschieht die Vertretung der Hörern und Hörerinnen oft durch nahezu komplette Herrenrunden.

Im Programmausschuss Fernsehen des MDR-Rundfunkrats sitzt beispielsweise nur eine einzige Frau unter Männern. Die Landesgruppe Sachsen des Rundfunkrats ist sogar eine völlig frauenfreie Zone. Es sind jedoch unhaltbare Zustände, wenn wichtige Ausschüsse und Landesgruppen des MDR-Rundfunkrats fast nur als reine Männerveranstaltungen stattfinden, die unserer Demokratie und der im Grundgesetz verankerten Gleichberechtigung Hohn sprechen.

„Mit einer derart geringen Präsenz von Frauen bleiben quasi der Hälfte der Bevölkerung wichtige Mitentscheidungsmöglichkeiten auf die Inhalte des Hörfunks, Fernsehens sowie Internetberichterstattung aber auch auf Personalentscheidungen zu Gunsten von Frauen vorenthalten“, kritisiert daher der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt.

Rätselhaft bleibt es bei dieser Situation, wie die Überwachung der Programmgrundsätze des MDR, etwa beim Programmausschuss Fernsehen, überhaupt funktioniert. Denn wenn dort die einzige anwesende Frau erkrankt, sinkt die Frauenquote sofort auf Null. Wie man dann dem Programmgrundsatz, die Gleichstellung von Mann und Frau zu fördern, nachgeht, nur unter Männern, ist mysteriös und eignet sich vielleicht als Thema für Satiriker.

Die Ausrede, es gäbe nicht genügend qualifizierte Frauen für den Rundfunkrat des MDR, lässt der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt jedenfalls nicht gelten. Sie ist völlig an den Haaren herbeigezogen. „Die paritätische Besetzung von Gremien ist nicht nur eine Frage der Qualität der Arbeit und von demokratischen Regeln, sondern eine grundlegende Frage der Geschlechtergerechtigkeit“, schreiben die Kritikerinnen. Und damit hapert es bisher tatsächlich gewaltig.

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