Abstieg Ost: Armut in Halle Neustadt – ein Kommentar

Im Osten nichts Neues. Immer wieder erreichen Nachrichten und Vorfälle die Außenwelt aus der ehemaligen DDR. Der soziale Abstieg geht immer weiter voran und die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. Problembezirke entstehen dort, wo die Industrie noch vor einigen Jahren aufblühte. Verwahrloste Plattenbauten, kaputte Straßen und heruntergekommene Parks. Das sind Szenen, die sich in den Problembereich der Großstädte abspielen. Ein solches Image ist selbstverständlich nicht Tourismus-fördernd, sondern lockt Kriminalität und Armut an. Insbesondere das Problemviertel „Halle-Neustadt“ erweckt dabei großes Aufsehen.

Mit offiziell bestätigten 1.530 Nennungen als „Problemviertel“ bei der Suchmaschine Google belegt der Bezirk den zahlenmäßig fünften Platz unter den Problembezirken deutscher Großstädte. Seit 1998 steigen die Straftaten immer mehr an und reduzieren damit gleichzeitig die Aufklärungsquote durch Polizei und staatliche Institutionen. Im Durchschnitt werden nach aktuellen Statistiken 13.073 Straftaten pro 100.000 Einwohner begangen. Eine genaue Prozentzahl kann dabei jedoch nicht festgelegt werden, da die Zahlen unter anderem auch Mehrfachtäter betreffen. Jedoch schließt diese Statistik lediglich die durch Polizei und Staatsgewalt aufgedeckten bzw. aufgenommenen Straftaten ein. Die unbekannte Dunkelziffer liegt bei einem Vielfachen der offiziellen Zahlen. Die Arbeitslosenquote beträgt im Durchschnitt in Halle-Neustadt 8,5%. Nahezu jeder zehnte Einwohner ist demnach arbeitslos und bezieht Gelder aus staatlichen Hilfen.

Der ewige Kreislauf schließt sich damit. Durch die hohe Arbeitslosigkeit entsteht eine Grundarmut, welche eine ansteigende Kriminalität zur direkten Folge hat. Die Kriminalität dient den meisten dabei lediglich zur Sicherung des Grundeinkommens. Andere steigen sogar in die Prostitution ab. Andere Arten von Straftaten, wie beispielsweise Gewaltdelikte, werden größtenteils aus Beschäftigungsmangel begangen. Die hohe Arbeitslosigkeit treibt die Einwohner in eine Ecke, in der sich die meisten lediglich mit Alkohol oder Drogen zu helfen wissen. Die Drogen fördern weitere Kriminalität und damit Straftaten. Die hohe Dunkelziffer an unaufgedeckten Straftaten sorgt für ein angenehmes Kriminalitätsklima, welches sich die ansässigen Dealer und Kriminellen zur vertrauten Umgebung machen. Der große Verkehr an Drogen und Unbeschäftigten wiederum fördert die Arbeitslosigkeit und der Kreis schließt sich. Doch inzwischen ist der Problembereich Halle-Neustadt so weit gewachsen, dass sich in dem Problembezirk Brandherde und eigene Brennpunkte herauskristallisieren.

Der Südpark gilt als einer dieser Brennpunkte. 70 % der Kinder im Südpark von Halle-Neustadt gelten offiziell als arm. Als arm werden dabei diejenigen Kinder betitelt, welche in Haushalten leben, welche staatliche Hilfsleistungen und Ähnliches beziehen. Auch die Fixierung der Arbeitslosigkeit in diesem Bereich ist eine Art Kreislauf, der von der Gesellschaft gefördert wird. Sanierte Wohnungen sind im Problembezirk Halle-Neustadt bereits ab 5€ pro Quadratmeter mietbar. Zum Vergleich in München ist es etwa viermal so viel. Dadurch, dass das Umfeld der Mieter entsprechend gefördert und saniert ist, möchte niemand dort hin ziehen. Die einzige Möglichkeit Leute in die Wohnungen zu locken ist also ein extrem niedriger Mietpreis. Dieser lockt jedoch vor allem die Menschen an, welche den Problembezirk zu dem machen, was er im Auge der Öffentlichkeit darstellt. Ein Sammelbecken von Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Verwahrlosung.

Die Plattenbauten im Bezirk gehören seit jeher saniert, die Schulen und öffentlichen Einrichtungen renoviert und der Bildungsauftrag in vor allem diesen Bezirken ernster genommen. Durch ein immer weiter fortschreitendes Abdriften aus der herkömmlichen Gesellschaft treiben die Problembezirke immer weiter von ganz allein ins Abseits. Jedoch kann ohne jegliche Hilfe von außen, sei es durch staatliche Hand oder andere Subventionen, das Abtreiben nur schwer verhindert werden. Halle-Neustadt. Ein Problembezirk, dessen Entwicklung eine immer weiter laufende Abwärtsspirale ist, die niemand aufhalten zu wollen scheint.